WSP-EUROPE 1999

A talk with Widespread Panic´s guitar player John Bell

"You Can Sleep, When You´re Dead"

Ralphs Widespread Panic Euro 99 Tour Tagebuch

Im Frühjahr schwirrten die ersten Gerüchte in Europa rum und dann wurde es konkret: eine phantastische Jamband kündigte ihr Erscheinen in Europa an! Ich bin bisher fünfmal auf Tour gewesen: die 90er Grateful Dead Europa Tour, zweimal mit Phish und zweimal mit Panic. Alle waren sie kurze Tourneen und jetzt wollte ich es wissen: so neun Konzerte hatte ich mir vorgestellt. Das Gute an dieser Widespread Panic Tour ist, dass allein 7 Shows in Deutschland stattfinden und Amsterdam ist auch keine Entfernung.

Die Vorbereitungen liefen sehr gut an, es gab per E-Mail einen regen Austausch mit Pat, der als einziger Amerikaner vom letzten Jahr die 99er Tournee mitmachen konnte. Hanno aus Strassburg richtete eine Mailing Liste ein, auf der jede Menge Tips und Infos verbreitet wurden und wir schon jetzt viel Spass miteinander hatten. Die Tour rückte näher, die Tickets, Reisebegleitung, Routenpläne und Unterkünfte waren organisiert und es konnte losgehen! Rudi und ich werden die ersten Shows bis Bielefeld gemeinsam machen, danach steige ich zu Pat in´s Auto. Ich freue mich auf die amerikanischen Tourheads, deren Freundlichkeit legendär ist.

09. August, Amsterdam

8 Uhr aufstehen und dann den Leihwagen geholt. Statt eines Opel Corsa gibt es einen VW Polo. Umso besser! Auf geht´s nach Amsterdam! Das Wetter ist ebenso gut wie unsere Laune und um 2.30 Uhr stehen wir schon vor dem Haus vom Chris, der uns das Hotel organisiert hat. Das Hotel Abba (the winner takes it all) ist in der Nähe des Leidse Plein.

Schnell fit gemacht, denn um 4.20 Uhr ist die Verabredung mit den amerikanischen Tourheads im Greenhouse. Chris kommt mit und dann stehen wir schon im Coffieshop. Ja, da sitzt Mr. Goodwin! Neben ihm Laura, die Schwester von Chip, der mich letztes Jahr zum Panic Konzert auf der Loreley besucht hatte. Auch ein paar andere Amerikaner sind schon da, so Jonathan, mit dem ich später das Auto teilen werde. Alles noch fremde Gesichter, aber das wird sich wohl schnell ändern. Ehe man sich versieht, steckt schon die erste Tüte zwischen den Lippen. Und dann kommt noch Wende, dieser amerikanische Wirbelwind. Sie redet schneller als man denken kann. Aber ich mag sie. Und zuletzt trifft Mr. Phil ein, der Europa-Korrespondent für das Relix Magazin. Lebt in Paris. Leider ist Phil ein wenig indisponiert, auf die Gründe möchte ich hier nicht näher eingehen. Wenig später ist er dann auch wieder weg, muss sich wohl was ablegen. Anyway, mit den anderen kommt man schnell in Kontakt und ein paar Joints und zwei Stunden später beschliessen wir was essen zu gehen. Unsere Wahl fällt auf Thai Food und nach einem opulenten Essen beenden wir den Abend in einem Strassencafé. Ein vielversprechender Auftakt!

10. August, Amsterdam

Vormittags ein bisschen Sightseeing und um 4.20 geht es weiter, diesmal im Dutch Flowers. Ein grosses Hallo von denen, die man schon kennt und ein Welcome zu jenen, die neu eingetroffen sind. Ach, ist doch gemütlich, an den Tischen draussen an einer Gracht zu sitzen und eine gute Zeit bei Smoke und Bier zu haben, wann lernt das die deutschen Regierung, dass sie sich schlimmeren zuwenden soll? Und da treffen auch Hartmut, Hanno und Tilly ein, Nur von Michel aus Paris fehlt noch jede Spur. Irgendwann beschliessen Hartmut, Rudi und ich essen zu gehen und ich lotse sie zu einem tibetisch-nepalesischen Restaurant in der Nähe des Paradisos. Und kurz vor dem Restaurant begegnen wir dann Michel und seinem Freund Serge. Das ist eine Freude!

Nach einem leckeren Essen gehen wir dann die paar Meter zum Paradiso rüber. Dort stehen schon die Spreadheads an, es wird fast nur englisch gesprochen. Und dann sind wir drinnen im Paradies. Dieser legendäre Laden ist wirklich der richtige Auftakt. Aah, dort ist die Tapersection, die Mikrofone sind aufgebaut und mindestens ein Dutzend DAT Recorder hängen dran. Einige europäische Heads kann ich noch begrüssen. Schön ist auch, die Amerikaner kennenzulernen, mit denen man schon seit längerem in E-Mail Kontakt steht: Stacey ist ein quicklebendliges Mädchen, da stellen sich Karen und Deepesh vor, hier sind Bill und Jeff, alle zählen sie zur Spitze der amerikanischen Taperszene. Insgesamt sind etwa 500 Zuschauer da, davon 90 % Amerikaner. Die Show kann beginnen! Die Band betritt die Bühne und als Opener erklingt Travelin´ Light, vielleicht der beste Anfang für so eine Tour. Im ersten Set haben sie allerdings noch einige Schwierigkeiten. Auch erzählen mir die Manager (Sam Lanier von WSP Management und Mike Bone von Capricorn), dass sie erst heute morgen angekommen sind. Eine Band, die zu kämpfen versteht. Der zweite Set ist dann aber umso besser, Arlene, Dyin´ Man > Make Sense To Me, ein schöner Run. Als erste Zugabe wählen sie City Of Dreams, wunderschön passend für diese Stadt. Ein toller Anfang, die Tour geht vielversprechend los. Rudi und ich laufen 10 Minuten zum Hotel, noch schnell ein Betthupferl und dann in die Heija, ist auch schon 4 Uhr durch.

11. August, Hamburg

Uffh, das waren nur vier Stunden Schlaf, denn der Abfahrtstermin ist um 10 Uhr. Unsere Mitfahrer Hartmut und Chris treffen halbwegs pünktlich ein und auf geht´s. Die Sonnenfinsternis lassen wir uns nicht entgehen, direkt hinter der deutschen Grenze fahren wir von der Autobahn runter nach Bad Bentheim, wo wir uns eine halbe Stunde lang die Sonnensichel reinziehen. Auch wenn hier oben nur zu 91 Prozent bedeckt, es ist schon beeindruckend. Später grosses Gelächter, als wir hören, dass sie im Olympiastadion in München wegen Regen nichts sehen konnten. Die Autobahn ist relativ leer, sind wohl viele in Süddeutschland. Hamburg, hier sind wir! Wir liefern Hartmut bei Anneliese und Arne ab und rauschen bei Mitch ein.

Nach einiger Zeit seilen Chris und ich mich ab und fahren zum Grünspan auf die Reeperbahn. Ich bin gespannt, ob die Band mich noch kennt. Wir biegen in den Hof zum Bühneneingang ein und da sitzt Michael Houser in der Sonne. "Hello Ralph, how are you?" Er führt mich zur Garderobe und hier sitzen die anderen Bandmitglieder. Ein grosses hallo! Diese Band hat nichts am Hut mit Star-Allüren, das werden auch noch die anderen deutschen Heads feststellen. Nach einer halben Stunde Smalltalk und einigen Bierchen müssen sie zum Soundcheck. Wir hören ein wenig zu und gehen dann essen. Der Grünspan gefällt mir. Ist ein Club mit Patina, aber wieso sind die Wände in einem knalligen Rot gestrichen? Auf der Reeperbahn treffen wir die ersten amerikanischen Tourheads beim Essen, die Party kann weitergehen. Schnell auch was gefuttert und dann zurück zur Halle, schliesslich gehört zum Konzert das Begrüssen vor der Show. Die Hamburger Deadheadszene ist komplett aufmaschiert. Arne hat gut Promotion gemacht und so halten sich Deutsch und Amerikanisch die Waage. Etwa 300 Zuschauer sind da und auch bei den anderen deutschen Konzerten werden soviele kommen, bis auf Bielefeld. Die Show ist mörderisch, sie spielen, was die straighten Hamburger hören wollen. Das erste Diner bringen sie auch. Nahezu alle sind am tanzen (und getanzt wird auch bei allen anderen Konzerten). Der zweite Set ist der absolute Hammer. Die Hamburger sind im allgemeinen etwas zurückhaltend, aber hier kommen sie in Fahrt. Die Musik der Panic erzeugt pure Lebensfreude.

Nach der Show hat Arne eine Aftershow-Party im Mayday organisiert. Eine grosse Meute geht zum Taxistand. Todd, der Drummer, steigt in unser Taxi ein. Halt, Hartmut hat noch keinen Platz. Todd rückt in die Mitte und wird von den anderen ein wenig eingezwängt. Macht ihm absolut nichts aus. Im Mayday werden es dann über 50 Leute, auch Michael Houser ist da und es wird noch eine sehr gemütliche Nacht. Todd verträgt einiges und wie ich dann nach 4 Uhr Richtung Mitch gehe, bemerke ich erstaunt, dass ich in Schlangenlinien gehe. Irgendwann trotzdem angekommen.

12. August, Hannover

Puuuh, früh wach geworden, wieder nur 4 Stunden geknackt. Langsam stellt sich eine Dauermüdigkeit ein, die mich für den Rest der Tour begleiten wird. Nach einem guten Frühstück noch Einkäufe gemacht und ab nach Hannover. Ich liefere Rudi beim Olaf ab und düse zum Ingo nach Celle, weil ich mit Ingo noch vorher was reden will. Otti aus Magdeburg ist auch da, den wollte ich immer schon mal kennenlernen. Und er ist, wie sollte es anders sein, auch ein angenehmer Head. Relativ spät kommen wir dann an der Halle, dem Bad, an. Dort treffe ich dann auf Gerado, den ich bisher nur vom Telefon her kannte. Seine grosse Leidenschaft ist das Photografieren und er hat eine Kamera mit einem beachtlichen Objektiv dabei. Auch lerne ich Terri und Randy kennen, die ich nur von den E-Mails her kenne. Sind wirklich sehr nett. Sie haben noch Bert dabei. Er ist ein Luftballon mit dem Gesicht des Sesamstrassen-Berts und er wird noch manche Abenteuer auf der Eurotour erleben

Panic wird drinnen spielen, nicht im leeren Swimming Pool. Leider gefällt es mir drinnen weniger, auch ist die Luft sehr schlecht, gibt es hier keine Klimaanlage? Es wird heiss, weil alle wieder am tanzen sind. Ich gehe öfters nach draussen, wo man immer wieder auf andere Luftschnappenden trifft und sich an den langen Biertischen einen zu Gemüte führt. Die schlechten Bedingungen schlagen sich auch auf das Konzert nieder, ich finde es nicht ganz so toll. Die Band spielt als Zugabe Heaven, soll das eine Anspielung sein? Toll wird es nach der Show, in einer Ecke des Hauses gibt es eine Bar und dort treffen sich dann die Band und die Tourheads. Für viele deutsche Heads eine gute Gelegenheit mit der Band zu reden. Irgendwann mahnen mich meine Gastgeber zum Aufbruch und am frühen Morgen sinken wir dann in´s Bett.

13. August, Berlin

Scheiden tut weh, das muss ich bei jedem Gastgeber feststellen, so auch bei Ingo und Susanne. Wir fahren gemeinsam zum Olaf nach Hannover und nach einer Stunde geht es nach Berlin. Beim Gerado steigt der Stefan ein und wir fahren im Konvoi. Eine Stunde stehen wir zwischen Helmstedt und Magdeburg im Stau, aber da wir immer sowas einkalkulieren, kommen wir rechtzeitig im Prenzlauer Berg an. Hier hat uns Torsten ein Quartier angeboten und wir stimmen uns geistig auf den Abend ein. Wieder breche ich früher auf, was sich nachträglich als ein weiser Entschluss herausstellt, denn die anderen kommen ob der Einstimmung zu spät zur Show.

Der Knaak liegt in einem Hinterhof und als ich kurz vor der Show den Laden betrete, war nicht mehr viel Platz. Blöd ist auch dass die Bar auf der einen Seite liegt, die Toiletten aber auf der anderen Seite, man muss sich immer durch das Gewühl kämpfen. Trotzdem ist der Knaak am kochen, die Band und das Publikum sind in Topform. Nach dem 2. Set sind alle so fertig, dass es keine Zugabe gibt. Nach der Show geht es im Labyrint des Knaaks nach oben, wo die Band und die Tourheads am Abhängen und am Billardspielen sind. Die Müdigkeit und der Gedanke an 600 km Fahrt morgen zwingt uns irgendwann in ein Taxi und so gegen 4 (das entwickelt sich zu unserer Standard-Einschlafzeit) kriechen wir in die Schlafsäcke.

14. August, Bonn

Die lange Fahrt nach Bonn steht uns bevor. Ich habe Horror vor der A 2. Aber im Endeffekt gibt es nur einen halbstündigen Stau hinter Bielefeld. Gegen 5 Uhr treffen wir bei mir ein, sind die ersten. Alfred hat auf meine Hütte aufgepasst, wir haben alles besorgt für den showfreien Tag. Langsam trudeln die anderen Gäste ein: Pat und Jonathan, Stacey mit Laura, Bill und Jeff, Gerado und Stefan. Später kommt noch Hanno. Auch die Heads aus Nordrhein-Westfalen treffen ein, sodass im Endeffekt so 25 Leute zur Party da sind. Wieder wird es ein gemütlicher, langer Abend und endlich lernen sich Amerikaner und Deutsche näher kennen. Pats Laune wird durch den Verlust seines Passes getrübt, aber Rudi fährt zur Hochform auf. Die meiste Zeit ist er am tapen, um gleich die DAT Bänder der ersten fünf Shows für uns auf analoge Tapes rüberzuziehen. Es ist gut wenn man an der Quelle sitzt, ansonsten muss man wochenlang auf die Tapes aus den USA warten.

15. August, Köln

Obwohl wir einen Tag frei hatten, kann man von Erholung nicht sprechen. Die Dauermüdigkeit macht mich ganz schön schlapp, nur während der Show ist man richtig hellwach. Mittags geben die Amerikaner zwei Riesenbleche Pizza aus. Diese Familienpizzen haben bei uns aber auch keine Chance. Abends dann rüber zum Prime Club. Dort ist mein Heimspiel, ich kenne so 50 % des Publikums, habe auch viel Promotion gemacht. Und ich habe den Leuten nicht zu viel versprochen, jeder ist von dieser Show begeistert, da braucht man sich nur die Setliste anzuschauen: Diner > Pilgrims, das geht runter wie Öl. Uwe vom Rockpalast ist auch da, vielleicht WSP wieder nächstes Jahr auf der Loreley? Leider schmeissen uns die Security bald nach dem Konzert raus und die Band eilt in´s Hotel, diesmal also keine Aftershow-Party.

Auf uns wartet allerdings noch eine Überraschung: kurz hinter dem Prime Club kommen wir in eine Alkoholkontrolle. Ich bin der Fahrer des ersten Wagens, hinter uns halten sie das Auto mit den anderen Amerikanern an und die haben einen halben Coffieshop an Bord. Keine Panik! Ich drehe ein wenig auf und sie lassen den anderen Wagen ziehen und konzentrieren sich auf mich, wahrscheinlich ist es für die Cops auch zu kompliziert, mit denen in Englisch zu reden. Ich hingegen darf blasen und seitdem habe ich bei den amerikanischen Tourheads einen neuen Spitznamen weg: (Mr.) 0.0. Aufgedreht, wie wir danach sind, sind wir dann auch erst zur Standardzeit in´s Bett gekommen.

16. August, Bielefeld

Wie gerne hätte ich länger geschlafen! Aber unseren Mietwagen muss ich bis 9 Uhr abliefern und dann mit Pat zur amerikanischen Botschaft, um einen neuen Pass zu besorgen. Aber die Botschaft ist inzwischen nach Berlin umgezogen und wir sollen zum amerikanischen Konsulat nach Düsseldorf fahren. Holy Shit! Erstmal nach Hause zum Frühstück. Wenig später klingelt das Telefon, Hartmut ist dran, Pat hat seinen Pass bei ihm liegengelassen. Hurra! Schnell noch vereinbart, dass er den Pass zu unseren Gastgebern nach München schicken soll und weiter geht´s. Ab zu Rudis Heimat. Mit acht Leuten wird es schon eng in Rudis Wohnung, aber der Spassfaktor überwiegt. Auf Schleichwegen geht es nach Bielefeld.

Die Hechelei ist ein toller Laden. Nur ca. 150 Zuschauer waren da, da haben wir viel Platz zum tanzen. Die Deutschen sind in der Minderheit. Wird eine phantastische Party. Fasznierend finde ich es schon, dass Widespread Panic genauso vor 150 Leuten die Sau rauslässt, wie vor 15.000 in den Staaten. Für einige der deutschen Tourheads ist nach dieser Show Schluss. Michael meint ganz traurig: "schade, dass es zu Ende ist!" Kopf hoch, Amigo, sie werden wiederkommen! Auch für Rudi, Anneliese und Arne ist es die letzte Show. Schade, es war immer wieder schön, gemeinsam auf den Shows eine gute Zeit zu haben. Verschönt wird der Abschied durch den Aftershow-Teil, fast die gesamte Band hängt mit dem Rest des Publikums an den Bars rum. Capricorn Manager Mike Bone will unbedingt noch ein Photo zusammen mit Arne und mir machen, Dave lässt sich von Stacey den Nacken massieren und JB steht in bester Laune mitten in der Menge.

17. August, Nürnberg

Tschüss Rudi! Hat Spass gemacht mit Dir! Und so steige ich entgültig zu zwei verrückten Amerikanern in ein Auto mit holländischen Kennzeichen ein. Die 450 Kilometer sind schnell geschafft und so stehen wir schon um 15 Uhr vor dem Etap Hotel in Nürnberg, welches nur ein paar Schritte entfernt vom Club, dem Hirschen, liegt. Dieses Hotel hatte ich den Amerikanern empfohlen. Die Rezeption macht allerdings erst um 5 Uhr auf und daraufhin gehen wir erstmal mit Wilson, einem der Roadies, Essen. Um 5 Uhr wimmelt es im Hotel schon von Tourheads, das wird noch ein lustiger Abend werden. Kurz geduscht und dann rüber zum Hirsch.

Der Club hat einen schönen Biergarten, in dem nach und nach die Tourheads und viele süddeutsche Deadheads eintrudeln. Endlich lerne ich auch Flo kennen., der einiges zu unserer Mailing Liste beigetragen hat. Ich ziehe mir noch den Soundcheck rein und danach führe ich ein kleines Gespräch mit John Bell im Biergarten. Um 19 Uhr haben wir Tourheads uns zu einem Gruppenphoto verabredet, das entwickelt sich zu einer lustigen Aktion! Der Photograph ist nämlich kein anderer als JB. Wo hat man das schon, dass man vom Star photographiert wird? Noch gemütlich mit den süddeutschen Heads zusammengesessen und dann geht die Show los. Leider ist der Sound nicht sehr toll, obwohl mir der Inhalt sehr gut gefällt. Im 2. Set springt ein Mädchen, wohl eine Deutsche, auf die Bühne und will JB und Dave umarmen. Wird freundlich von Garrie und Wayne, zwei Roadies, eingefangen und von der Bühne geleitet. JB und Dave finden das nur lustig und haben sich spontan umarmt. Um eine objektive Kritik von einem Konzert zu kriegen, muss man sich nur die Bartender anschauen. Denn die sind in einem Musik-Club einiges gewöhnt. Und hier schwingen sie im Takt mit, wenn sie mal nichts zu tun haben. Wie schön, dass man nach der Show nur ein paar Schritte zum Hotel hat! Dort geht es noch einige Zeit hoch her, es wird auf den Zimmern weitergefeiert.

18. August, München

München, wir kommen! Nach zwei Stunden Fahrt stehen wir vor dem Hotel, in dem Jonathan absteigen wird. Dort wartet auf uns Don, der frisch aus Atlanta eingeflogen ist und unser Reisebegleiter sein wird. Erstmal einen Frühschoppen im Paulaner Biergarten, der um die Ecke liegt und danach fahren Pat und ich zu Karl und Geli, bei denen wir übernachten werden. Sie sind wirklich nett und wir fühlen uns schnell wohl in ihrem grossen Haus. Aber ein "Pflichttermin" steht noch an: um 18 Uhr treffen wir uns mit einigen Amerikanern im Biergarten des Hofbräukellers unweit der Muffathalle. Es gefällt den Amerikanern dort sehr: die Masskrüge, die Riesenbretzeln (die sie mit Senf bestreichen!) und die Würsteln. Beschwingt wandern wir zur Muffathalle. Eine tolle Venue! Zwar ist der Laden nur zu einem Drittel gefüllt, aber die Stimmung ist grandios. Auch ist der Sound wieder gut und entschädigt die Deutschen, die in Nürnberg deswegen enttäuscht waren. Einige andere Deutsche sind zum Konzert auf Grund von Empfehlungen ihrer Freunde in Berlin und Hamburg gekommen, die sich dort die Shows angehört hatten. Auch sie kommen auf ihre Kosten .

19. August, Village

Ursprünglich wollte ich ja Winterthur und Paris nicht mitmachen, aber meine amerikanischen Reisegefährten und die anderen Tourheads haben mich solange bearbeitet, bis ich mich entschlossen habe, doch mitzufahren. Ein weiser Entschluss... Heute ist kein Showtag und so sind wir auf Anraten vom Flo zu einer Jamsession in einem Club bei Murnau am Alpenrand gefahren. Erstmal machen wir einen schönen Alpentrip nach Garmisch und nun stehen wir vor dem Village, was mal eine abgelegene Mühle war. Dort begrüsst uns Marion und auf unsere Frage, wo wir Zimmer finden können, sagt sie, gleich hier und so quartieren wir uns für 35 DM incl. Frühstück ein. Erich Ziegler und Chad treffen wenig später ein und wir fangen an, das Bier anzutesten, die Halbe für nur 4.50 DM. Das Essen ist auch günstig und gut und wir haben viel Spass. Ich seile mich allerdings klammheimlich schon um 10 Uhr ab, denn ich brauche endlich mal was Schlaf. Vorher noch gesagt, sie sollen nicht an der Tür zu Zimmer Nr. 4 klopfen. Und so wollen sie mich von Zimmer Nr. 4 abholen, ich habe allerdings eine andere Zimmernummer :-).

20. August, Winterthur (Schweiz)

Abfahrt zum castle of the mad king (Schloss Neuschwanstein). Ist allerdings fürchterlich am pissen dort und jede Menge Touristen, so entschliessen wir uns, das Schloss nur von unten zu betrachten und weiter zu fahren. Bei Bregenz stehen wir voll im Stau, da auch alle anderen Autofahrer nicht einsehen, sich für die paar Kilometer österreichische Autobahn eine Vignette zu leisten. Trotzdem haben wir auf der Fahrt viel Spass miteinander. Die langen Fahrten sind keine reine Kilometerfresserei, wir hören uns die Aufnahmen von gestern an, erzählen uns die Anekdoten, die wir erlebt haben und es wird viel gelacht. Drei Stunden vor der Show treffen wir in Winterthur ein, wo das Wetter wieder klasse ist.

In´s Staunen kommen wir, als wir das Albani betreten. Das ist eine ganz normale Musikkneipe mit einer winzigen Bühne. JoJo muss rechts sitzen, Sunny steht hinter eine Säule, es ist nur für eine Conga Platz und Wilson muss ihm das Glockenspiel halten. Vor Daves Bassgitarrenhals muss man sich in acht nehmen, da er voll in den Publikumsbereich reinragt. Sam meint später, dass es der kleinste Club wäre, in dem sie jemals gespielt hätten. Nichtdestsotrotz entpuppt sich das Konzert als eine Privatparty für 150 Zuschauer. Sie spielen zwar nur ein Set, aber das ist incl. Zugaben 130 Minuten lang! Einige schweizer Heads sind auch da, gruezi! Sind auch einige Deutsche aus München gekommen, die spontan entschlossen haben, sich noch ein Konzert reinzuziehen. Abschied nehmen müssen wir allerdings danach von Randy und Terri, dies war ihre letzte Show. Schade, sie sind ein sehr nettes Paar und sie waren die einzigen, die sich die Zeit genommen haben, um sich die Städte anzuschauen, für die meisten anderen war keine Zeit zum Sightseeing vorhanden. Auch von Gerado müssen wir Abschied nehmen. See you later!

21. August, Nandrin (Belgien)

Wir haben keine Zeit das reservierte Hotelzimmer zu nützen, eine Nachtfahrt ist angesagt. Um 2 Uhr fahren wir von Winterthur los, 700 km liegen vor uns. Gegen 6 treffen wir bei mir ein, 4 Stunden Schlaf und ab nach Belgien. Wir müssen durch Liége durch und der Zustand dieser wallonischen Stadt reisst die Amerikaner zu der Aussage hin, dass es hier aussieht wie in Detroit.

Zwei Stunden vor dem Auftritt von Panic treffen wir auf dem Festivalgelände ein. Die Taper haben keine Probleme mit ihren DAT Aufnahmegeräten reinzukommen. Nur 25 Tourheads sind nach Nandrin gekommen und wir sehen das ganze mehr unter dem Aspekt als Support für die Band. Etwa 500 Zuschauer finden sich zum nachmittäglichen Auftritt von Panic vor der grossen Bühne ein und ich bemerke mit Freuden, dass der ein oder andere Belgier am tanzen ist oder zumindestens im Takt am nicken ist. Toll ist es für uns, in der ersten Reihe zu stehen und von hinten, mit der Band auf der Bühne spielend, photographiert zu werden. Nur 50 Minuten dauert dieser Mini-Gig und dann ab nach Brüssel. Dort trennen sich unsere Wege. Jonathan fliegt zurück, Don und Pat nehmen dort ein Zimmer und ich den Thalys Express, der mich in eineinhalb Stunden nach Paris bringt zu Michel.

22. August, Paris

Wieder kein Showtag. Michel und ich fahren zu einer alten Abtei in´s Grüne. Dort lassen wir unsere Seele baumeln. Abends sind wir dann zu einer Party bei Mr. Phil eingeladen, wo wir auf viele anderen Tourheads treffen. Phil und Marti haben sich alle Mühe gegeben und so wird es ein weiterer schöner Abend. Pat vermisst inzwischen seine digitale Kamera. Später wird sich herausstellen, dass er sie bei Rudi liegengelassen hat.

23. August, Paris

Meine letzte Show. Der New Morning ist ein angenehmer Jazzclub mit dem entsprechenden Ambiente. Noch einmal feiere ich zusammen mit den Amerikanern. Und ich freue mich, all die französischen Heads zu sehen, zu denen wir deutsche Heads schon seit längerem einen herzlichen Kontakt haben. Am Beginn des 2. Songs im 2. Set schicken wir alle Energie und Gebete für Tracy in die USA rüber, die schwer krank ist. Auch die Band erfährt davon, sie ändern das Programm und spielen Tracy´s Lieblingsong Travelin´ Light. Obwohl das Bier sündhaft teuer ist (20 Francs für 0,15 l ), schaffen wir es, dass es ab der Mitte des 2. Sets kein Bier mehr gibt. Überhaupt kann jeder Club mit dem Umsatz, den wir gemacht haben, zufrieden sein. Noch schnell der Band und allen auf Wiedersehen gesagt und dann ab zu Michel. Vielleicht ist dieser kurze und schmerzlose Abschied das Beste, was ich machen kann. Am nächsten Tag bin ich wieder daheim. Die britischen Shows will ich nicht mitmachen, denn mit der Rautsch steht ein weiterer Höhepunkt an und bis dahin muss ich mich einigermassen erholt haben.

Ein kleines Fazit: 11 Shows, 26 Stunden Live-Musik genossen, 5000 km gefahren, 30 l Bier getrunken, 50 Stunden Schlafdefizit. Jede Menge nette Leute kennengelernt. Viel Spass, insbesonders mit meinen Reisegefährten, gehabt. Viele Legenden haben sich gebildet und auf der WSP Eurotour Mailing Liste wird viel erzählt und viel Spass gemacht. Für die meisten von uns war es das Erlebnis des Lebens. Sam, der Manager, hat mir erzählt, dass sie alles mitgeschnitten haben und davon evtl. ein Live-CD Album herausbringen werden.

Im März geht es weiter. Wir sehen uns bei der einen oder anderen Show!

Mein Dank geht an die Band: JB, Dave, Todd, Michael, JoJo, Sunny, sowie Sam, Mike und Trey und die Roadies

an die amerikanischen Tourheads, insbesonders an Pat, Jonathan, Don, Stacey, Laura, Terri und Randy, Karen und Deepesh, Laurie, Jeff, Bill, Erich, Chad, Chris, Jon

an die europäischen Tourheads, insbesonders an Rudi, Mr. Phil, Gerado, Anneliese und Arne, Hartmut, Hanno, Flo, Stefan, Tilly, Helmut, Michael, Albrecht und an alle, die ich kenne und die bei der ein oder anderen Show dabei waren, und besonders an meine Gastgeber: Mitch, Susanne und Ingo, Torsten, Geli und Karl, Marti und Phil und Michel.

Setlisten und weitere Berichte findet man auf Hannos Webseiten: http://move.to/wspeurope99/